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Recruiting

KI im Recruiting: Welche ATS-Funktionen helfen wirklich bei der Personalgewinnung?

Welche KI-Funktionen in ATS-Software unterstützen die Personalgewinnung wirklich? Sehen Sie sich Anwendungen für Stellentexte, Zusammenfassungen, Planung und Auswahlkriterien an.

Illustration eines Recruiters, der von Software geordnete Bewerbungen beurteilt.

KI im Recruiting kann bei Stellenanzeigen und der Verarbeitung von Informationen helfen. Die Qualität eines Vorschlags und die Kontrolle der Auswahl erfordern weiterhin Aufmerksamkeit. Sehen Sie sich an, welche ATS-Funktionen Sie untersuchen können und welche Aufgaben sich für eine erste Demonstration eignen.

Die Rolle eines ATS und der Einzug der KI-Unterstützung

Ein Applicant Tracking System (ATS) fungiert als zentrale Plattform zur Strukturierung von Recruiting-Kampagnen, zur Verwaltung von Stellenangeboten und zur Nachverfolgung von Kandidaten. Wie der Anbieter Personio in seiner Erläuterung zu ATS-Systemen und Auswahlkriterien darlegt, liegt die Hauptstärke eines ATS im Überblick über die Recruiting-Pipeline und in einem strukturierten Kommunikationsfluss mit Bewerbern.

Die Einführung von KI in ATS-Software konzentriert sich vor allem auf Sprachverarbeitung und Mustererkennung. Anbieter bauen digitale Assistenten ein, die routinemäßige Textarbeiten beschleunigen. Ein dokumentiertes Beispiel ist der Personio Assistant, mit dem HR-Mitarbeitende Berichtsdaten über gezielte Fragen abrufen können, wobei der Anbieter beschreibt, dass Zugriffsrechte berücksichtigt werden. Dieses Beispiel betrifft HR-Reporting und belegt für sich genommen keine KI-Auswahl von Bewerbern. Dabei ist es von wesentlicher Bedeutung, klar zwischen textlicher Unterstützung einerseits und inhaltlichen Auswahlentscheidungen andererseits zu unterscheiden.

Vier praktische Anwendungen von KI im Recruiting

In modernen Recruiting-Prozessen kann KI bei vier zeitaufwendigen Aufgaben unterstützen:

  1. Entwürfe für Stellenanzeigen schreiben: Auf Basis von Stichwörtern zur Funktion, zur gewünschten Erfahrung und zum Bildungsniveau erzeugt die Software einen ersten Entwurf. Das spart Zeit beim Start einer Stellenausschreibung, wobei eine manuelle Anpassung an die eigene Unternehmenskultur und die Arbeitsbedingungen weiterhin notwendig bleibt.
  2. Lebensläufe strukturieren und zusammenfassen: Die Software extrahiert Berufserfahrung, Sprachkenntnisse und Ausbildungen aus unstrukturierten Dokumenten wie PDF-Dateien und legt diese strukturiert in festen Feldern im Kandidatenprofil ab.
  3. Nachrichtenentwürfe für die Kandidatenkommunikation: Das System erstellt Vorschläge für Eingangsbestätigungen, Einladungen zu Gesprächen oder höfliche Absagen. Der Recruiter passt den Text an, bevor er tatsächlich versendet wird.
  4. Unterstützung bei der Gesprächsplanung (nicht automatisch KI): Planungsmodule vergleichen die Kalenderverfügbarkeit der Interviewer und schlagen Kandidaten passende Zeitfenster vor.

Warum automatisierte Absagen unerwünscht sind

In manchen Diskussionen über Recruiting-Technologie wird suggeriert, dass KI Kandidaten selbstständig beurteilen oder ablehnen kann. In einer verantwortungsvollen Recruiting-Praxis ist ein automatischer Ausschluss jedoch dringend abzuraten:

  • Risiko algorithmischer Voreingenommenheit: Sprachmodelle stützen sich auf historische Muster. Wenn frühere Personaldaten bestimmte Merkmale überrepräsentierten, kann ein Algorithmus diese Vorlieben unbemerkt übernehmen und qualifizierte Kandidaten benachteiligen.
  • Fehler bei der automatischen Textanalyse: Abweichende Layouts, kreative Berufsbezeichnungen oder fehlende Schlüsselwörter können dazu führen, dass die Software relevante Kompetenzen übersieht. Ein Kandidat, der inhaltlich hervorragend passt, aber andere Formulierungen wählt, würde dadurch zu Unrecht übergangen.
  • Datenschutz und Datensicherheit: Bewerbungsdaten enthalten sensible personenbezogene Informationen. Verwenden Sie für einen ersten Test fiktive Lebensläufe und Gesprächsnotizen. Lassen Sie den echten Einsatz vorab im Rahmen der Datenschutzrichtlinien Ihrer Organisation prüfen. Ziehen Sie für die geltenden Regeln zu Datenschutz und automatisierter Entscheidungsfindung stets die offiziellen Richtlinien von Aufsichtsbehörden heran, wie der niederländischen Datenschutzbehörde (Autoriteit Persoonsgegevens).

Das Prinzip der menschlichen Kontrolle bleibt daher maßgeblich: KI kann administrative Vorschläge machen und Daten ordnen, aber ein Recruiter oder Stellenverantwortlicher beurteilt die Eignung eines Kandidaten stets persönlich.

Fiktives Praxisbeispiel: Anweisung für eine Stellenanzeige

Um zu zeigen, wie Sie KI praktisch für Recruiting-Texte einsetzen können, ohne personenbezogene Daten zu teilen, zeigt der folgende Kasten einen strukturierten Beispiel-Prompt:

Fiktiver Beispiel-Prompt zum Erstellen einer Stellenanzeige:
„Schreiben Sie eine professionelle und einladende Stellenanzeige für einen Junior Supply Chain Planner (36 bis 40 Stunden, Standort Utrecht). Bildungsniveau: Fachhochschulabschluss (hbo) im Bereich Logistik, Betriebswirtschaft oder Vergleichbares. Kenntnisse in Lagerverwaltung und Erfahrung mit ERP-Software sind ein Plus. Ton: klar, direkt und begeisternd. Vermeiden Sie Klischees wie ‚Allrounder‘ und erfinden Sie keine Arbeitsbedingungen. Kennzeichnen Sie fehlende Informationen zu Gehalt, Arbeitszeiten und Weiterbildungsbudget als noch festzulegen.“

Nach dem Erzeugen des Textes prüft der Recruiter den Inhalt: Stimmen die primären und sekundären Arbeitsbedingungen mit der Unternehmensrichtlinie überein, und ist der Text inklusiv formuliert? Erst nach dieser menschlichen redaktionellen Überarbeitung wird die Stelle veröffentlicht.

ATS-Software und Anbieter vergleichen

In der Kategorie Recruiting-Software wählen Organisationen aus verschiedenen Plattformen:

  • Personio: Bietet eine breite Plattform, in der Stellenverwaltung, Kandidatenkommunikation und Auswahlwege direkt mit der zentralen Personalverwaltung und dem Onboarding verbunden sind.
  • Cegid HR: Bietet Talentmanagement- und Recruiting-Lösungen für Organisationen mit komplexen Auswahlverfahren, mehrköpfigen Beurteilungsteams und spezifischen Funktionsgruppen.

Bei der Softwareorientierung empfiehlt es sich, bei Anbietern nachzufragen, welche KI-Funktionen in der gewählten Lizenzform tatsächlich verfügbar sind, welche zugrunde liegenden Sprachmodelle eingesetzt werden und wie die Datensicherheit vertraglich geregelt ist.

Mögliche KI-Funktionen und Auswahlkriterien in einer Demonstration

Die folgende Tabelle zeigt Funktionen, die Sie bei einer Demonstration eines ATS untersuchen können:

Recruiting-Aktivität Mögliche KI-Unterstützung (zu überprüfen) Praktischer Aspekt in einer Demo Erforderliche menschliche Kontrolle
Stellenanzeigen Erzeugen eines Entwurfs auf Basis von Stichwörtern. Prüft die Software auf inklusive Sprache und gewünschte Tonalität (Tone of Voice)? Inhaltliche Redaktion zu Arbeitsbedingungen und Kultur.
CV-Parsing Auslesen von Ausbildungen und Berufserfahrung in Datenfelder. Wie zuverlässig erkennt der Parser Tabellen und verschiedene Dateiformate? Kontrolle des Originaldokuments bei Zweifeln an der Erfahrung.
Kandidatenkommunikation Nachrichtenentwürfe für Statusupdates und Absagen erstellen. Lassen sich Vorlagen einfach pro Kandidat personalisieren? Persönliche Kontrolle und Freigabe vor dem Versand.
Gesprächsplanung Vorschlagen von Terminzeitpunkten auf Basis von Kalendern. Passt die Kalenderintegration zu Ihrer bestehenden E-Mail-Umgebung? Beurteilung, ob die richtigen Interviewer ausgewählt wurden.
Kandidatenauswahl Keine automatische Auswahl oder Ablehnung anwenden. Stellen Sie sicher, dass keine automatischen Ausschlussfilter aktiv sind. Vollständig menschliche Beurteilung der Eignung.

Auswahlempfehlung für Recruiting-Teams

Lassen Sie sich bei der Wahl eines ATS nicht ausschließlich von vielversprechenden Marketingbegriffen rund um KI leiten. Untersuchen Sie zunächst die Grundqualität des Systems: Eine übersichtliche Kandidaten-Pipeline, benutzerfreundliche Kommunikationstools und zuverlässige Berichte bilden das Fundament erfolgreichen Recruitings. Betrachten Sie KI-Funktionen als praktische Hilfsmittel für Entwurfstexte und Dateneingabe, während die Verantwortung für die Kandidatenbeurteilung jederzeit bei Ihrem Recruiting-Team bleibt.

Prüfen Sie, ob eine Zusammenfassung wichtige Informationen weglässt

Erstellen Sie zwei fiktive Lebensläufe mit derselben relevanten Erfahrung, aber unterschiedlichem Layout. Setzen Sie in dem einen eine Ausbildung nach oben und in dem anderen nach unten. Bitten Sie den Assistenten nur darum, die genannte Erfahrung und Ausbildung zusammenzufassen, mit Verweisen auf die ursprünglichen Passagen. Lassen Sie fehlende Angaben als unbekannt stehen.

Vergleichen Sie die Ergebnisse: Wird dieselbe Erfahrung erkannt, werden Lücken in den Informationen sichtbar, und erscheinen keine erfundenen Qualifikationen? Lassen Sie anschließend einen Recruiter die Originaldokumente beurteilen. Eine Zusammenfassung kann Suchaufwand verringern; die Qualität dieser Zusammenfassung ist keine Rangliste von Kandidaten.

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